vigo. - ein spanisches gericht hat einen mann vom vorwurf des mordes freigesprochen, weil er glaubhaft versichert hat, er sei durch seine “überwältigende angst” vor einem schwulen sexuellen übergriff in panik geraten und habe deshalb nicht umhin können, zwei schwule quasi in notwehr mit insgesamt 57 messerstichen zu töten. diese als “gay panic defence” bezeichnete verteidigungsstrategie, die vor allem aus den usa bekannt ist, ist auch unter juristen umstritten.
der 30 jahre alte Jacobo Piñeiro Rial hatte vor gericht zugegeben, im juli 2006 das schwule paar Isaac Ali Dani Peréz Triviño und Julio Anderson Luciano getötet zu haben. Piñeiro erklärte, er habe einen der beiden in einer bar kennengelernt und sei dann mit ihm in dessen haus gegangen. dort habe ihn einer der beiden mit einem messer bedroht um homosexuelle handlungen mit ihm zu erzwingen. die verteidigung machte für ihren mandanten geltend, er habe eine “unüberwindliche angst” davor gehabt, von dem schwulen paar vergewaltigt und anschliessend ermordet zu werden. Piñeiro erstach darauf beide.
zwanzig jahre wegen brandstiftung
weil der mann anschliessend auch noch das haus der beiden anzündete, wurde er zu 20 jahren gefängnis verurteilt. eine zusätzliche verurteilung wegen mordes hätte ihm weitere 35 bis 40 jahre haft eingebracht, wie “edge boston” berichtet. das schwule paar plante, zu heiraten. homosexuelleninitiativen riefen für heute per “facebook” zu protesten gegen das urteil unter anderem in Madrid, Barcelona, Vigo and New York auf.
auch die staatsanwaltschaft kritisierte die entscheidung der geschworenen harsch, wie “queer.de” meldet. Es hätte mit Sicherheit einen Schuldspruch gegeben, wenn die Opfer zwei Mädchen gewesen wären und nicht zwei Homosexuelle, von denen einer dunkler Hautfarbe war, erklärte der anklagende Oberstaatsanwalt Juan Carlos Horro nach der entscheidung.
der fall Matthew Shepard
der bekannteste ähnliche fall einer verteidigung unter verweis auf panik vor schwulen übergriffen ist der des studenten Matthew Shepard, der im oktober 1998 in einem vorort von Laramie im us-bundesstaat Wyoming von zwei männern getötet wurde. sie raubten Shepard aus, schlugen ihn etwa 18 mal mit einer 357-Magnum-Pistole vornehmlich auf den Kopf, fesselten ihn einen Zaun gefesselt und überliessen ihn seinem Schicksal. kurz darauf starb der damals 21 jahre alte Shepard.
vor gericht argumentierten die täter, sie hätten sich durch die Homosexualität Shepards bedroht gefühlt. die strategie verfing in diesem fall allerdings nicht. beide wurden zu zweimal lebenslänglich verurteilt.
umstrittene verteidigungsstrategie
dennoch greift die strategie der “gay panic defence” offenbar weltweit um sich. “queer.de” meldet kürzlich, Auf den Bahamas sei ein 25-Jähriger, der einen schwulen Mann erstochen hatte, von einem Gericht freigesprochen worden, weil das Opfer den Täter zuvor angeblich angemacht hatte.
homosexuelleninitiativen wehren sich seit jahren gegen die zulassung dieser art der verteidigung durch die gerichte, die auch unter juristen umstritten ist. in dieser rhetorik werden letztlich die opfer zu tätern gemacht. (wfr)
