Washington. - der neue us-präsident barack obama hat im wahlkampf viel von “wandel” (”change”) gesprochen. in seiner siegesrede hat er damit schon angefangen. Während drei us-staaten zeitgleich mit der präsidentenwahl am Dienstag Ortszeit die homo-ehe ablehnten, schloss obama schwule und lesben bei seinem ersten auftritt ausdrücklich ein, als er den “amerikanischen traum” (”american dream”) und die einheit der vereinigten staaten beschwor.
Seine Wahl, sagte er unter frenetischem jubel seiner anhänger, sei “die Antwort, die von Jungen und Alten gegeben wird, von Reichen und Armen, Demokraten und Republikanern, Schwarzen, Weißen, Hispanics, Asiaten, Indianern, Schwulen und Heterosexuellen, Behinderten und Nichtbehinderten. Von Amerikanern, die der Welt eine Botschaft geschickt haben, dass wir keineswegs nur eine Ansammlung von Einzelmenschen oder eine Kollektion von roten und blauen Staaten sind. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika und werden das immer sein.“
dreimal nein zur homo-ehe
amerikanische lesben und schwule mussten in der wahlnacht allerdings auch eine bittere pille schlucken: in vier bundesstaaten gab es bei abstimmungen einen dämpfer für akzeptanz, respekt und gleichberechtigung.
In Florida und Arizona lehnten die wähler die homo-ehe in einem volksentscheid ab. in arkansas entschieden sich die bürger gegen ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben. im als besonders liberal geltende Kalifornien, wo schwule und lesben der weg zur ehe nach einem gerichtsentscheid im sommer bereits offen stand, stimmten die Bürger für einen Verfassungszusatz, der die Ehe ausschliesslich als Institution zwischen Mann und Frau definiert.
Prozesse programmiert
das letzte wort dürfte allerdings nocht nicht gesprochen sein. da der neue Verfassungszusatz dem ebenfalls in der Verfassung kaliforniens festgeschriebenen Gleichbehandlungsgrundsatz widerspricht, der sich explizit auch auf die sexuelle Orientierung bezieht, werden nun langwierige grichtliche auseinandersetzungen erwartet. was mit den bis jetzt etwa 18 000 bereits verheirateten Schwulen und Lesben wird, ist ebenfalls noch völlig offen.
wie “blue.fm” meldet, ziehen Beobachter allerdings schon Vergleiche mit dem Kampf um die Abschaffung der Rassentrennung. 1967 wurde ein Gesetz, das die Ehe zwischen Schwarzen und Weißen im Bundesstaat Virginia verbot, vom Supreme Court in Washington DC für ungültig erklärt. In den USA geht Bundesrecht vor Landesrecht. Da mit Barack Obama die Möglichkeit besteht, dass dieser liberalere Bundesrichter einsetzt, könnten Klagen vor dem Supreme Court in absehbarer Zeit Erfolg haben.
spontane proteste
In Los Angeles kam es laut “blue.fm” in der vergangenen Nacht bereits zu spontanen Demonstrationen für gleiche Rechte. Der Kampf wird ganz offensichtlich noch nicht verloren gegeben. (wf)
