vilnius. – staatliche verordnete homophobie in litauen: das kürzlich mit großer mehrheit vom parlament verabschiedete neue Mediengesetz verbietet es zeitungen, radiostationen, fernsehredaktionen und anderen publikationen ab märz 2010, “positiv gefärbt” über homosexualität zu berichten.
Ebenfalls verboten sind dann entsprechende berichte über Kriminalität, Gewalt und Glücksspiel oder Hypnose. offizieller Grund: der schutz von kindern und jugendlichen. Zuwiderhandlungen werden mit 1500 Euro strafe oder Sozialarbeit bestraft.
Das macht die arbeit für die litauische schwulenliga künftig noch schwieriger. homosexuelle haben es bereits heute alles andere als leicht in dem baltischen land: “Die Situation für Homosexuelle in Litauen ist sehr schwierig”, sagte schwulenliga-Vorsitzender Vladimir Simonkoer dem deutschlandfunk. “Viele Menschen stehen uns feindselig gegenüber und deswegen leben fast alle Schwulen und Lesben im Verborgenen: Sie verraten weder ihrer Familie noch ihren Kollegen, dass sie homosexuell sind. Das belastet sehr.”
“zurück ins mittelalter”
menschenrechtsorganisationen protestierten, allerdings ohne erfolg. die Sozialdemokratin Aušrinė Pavilionienė fürchtet, dass in zukunft auch Lehrer bestraft werden, wenn sie über Homosexualität sprechen. “Das Gesetz ist zu puritanisch, zu katholisch, es führt uns ins Mittelalter zurück”, sagte sie dem sender. “Man kann Kinder nicht mit einem dogmatischen Moralgesetz erziehen. Indem Politiker verbieten, über Sexualität, Verbrechen oder Drogen zu berichten, verschwinden diese Dinge doch nicht aus der Gesellschaft.”
Henrikas Mickevicius vom Institut zur Beobachtung der Menschenrechte zeigte sich vor allem besorgt darüber, dass die kulturelle Elite in Litauen zu dem thema schweigt. “Das Thema wird seit Jahren von einer kleinen Gruppe von Politikern vom äußersten rechten Rand vorangetrieben, natürlich mit Unterstützung der katholischen Kirche”, sagte er dem deutschlandfunk. “Viele Intellektuelle haben entweder keine Meinung oder nicht den Mut zu widersprechen.” (wfr)
