Vergeblich: Protest in Zagreb.

Vergeblich: Protest in Zagreb.

Zagreb. – In Kroatien wird ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in der Verfassung verankert. Das Volk stimmte am Sonntag im jüngsten EU-Mitgliedsstaat mit rund zwei Drittel der Stimmen für die Neuregelung. Die katholische Kirche hatte ausdrücklich zur Unterstützung aufgerufen, nicht zuletzt von den Kanzeln.

Angestrengt hatte das Referendum die christlich-konservative Bürgerinitiative „Im Namen der Familie“. Sie hatte dafür knapp 750.000 Unterschriften gesammelt. Rund tausend Menschen protestierten in Zagreb vergeblich gegen die Pläne.

Klares Votum gegen Schwule und Lesben

Auslöser der Unterschriftensammlung für das Referendum waren Pläne der linksliberalen Regierung für die Einführung einer Eingetragenen Partnerschaft für Schwule und Lesben. Von einer Öffnung der Ehe war keine Rede. Konservative und kirchliche Kreise nahmen die Liberalisierungspläne der Regierung dennoch zum Anlass, ihre Pflöcke gegen eine mögliche künftige Gleichstellung Homosexueller einzurammen.

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Stimmungsmache statt Menschenrechte

Die katholische Kirche hatte in Kroatien leichtes Spiel: Rund 90 Prozent der gut vier Millionen Einwohner sind Katholiken. Da half es auch nichts, dass neben der Regierung prominente Intellektuelle, Wissenschaftler und Medien das Ansinnen der Konservativen als Verstoß gegen Menschen- und Minderheitenrechte kritisierten.

„Beitritt zum konservativen Ostblock“

Konservative feierten das Ergebnis am Sonntagabend als „Verteidigung christlich-abendländischer Werte“. Gegner sprachen dagegen mit Blick auf die zunehmend homophobe Politik Russlands von einem „Beitritt Kroatiens zum konservativen Ostblock“.

"Traurig und sinnlos": Regierungschef Milanovic.

„Traurig und sinnlos“: Regierungschef Milanovic.

„Traurig und Sinnlos“

Regierungschef Zoran Milanovic sprach am Sonntag von einem „traurigen und sinnlosen“ Referendum. Er versprach, dies werde das letzte sein, mit dem die Mehrheit der Minderheit ihre Rechte nehme. Rechte Gruppen wittern allerdings auch längst bei anderen Themen Morgenluft. Nationalisten, Faschisten und Antisemiten trauen sich zunehmend ungeniert auch öffentlich, ihre Thesen zu verbreiten.

Wahlbeteiligung auf Rekordtief

An der Abstimmung hatten 38 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen, so wenig wie noch nie bei einem Referendum in Kroatien. Die Vorgängerregierung hatte die Vorschriften zu einer Mindestbeteiligung bei Volksabstimmungen abgeschafft, um zu verhindern, dass das Referendum zum EU-Beitritt des Landes durchfällt.

Öl ins Feuer der Homophobie

Die Abstimmung dürfte die homophobe Stimmung im Land weiter anheizen. Nach wie vor trauen sich Umfragen zufolge nur 37 Prozent der Schwulen und Lesben in Kroatien zu ihrer Homosexualität zu stehen. Drei Viertel berichten von Diskriminierung. Falls die Eingetragene Partnerschaft nun überhaupt kommt, dürften viele aus Angst, sich damit zu outen, eher darauf verzichten, sich eintragen zu lassen.

Zumindest keine Prügel mehr

Unterdessen feiern Mainstream-Medien es schon als Erfolg, dass es inzwischen überhaupt Gay-Paraden im Land gibt und die Aktivisten nicht mehr regelmässig wie noch 2002 zusammengeprügelt werden. Tatsächlich hatte sich die Lage der Homosexuellen in den vergangenen Jahren etwas verbessert. Bei der nächsten Parade mitzulaufen, wird aber wieder mehr Mut erfordern.

Franziskus: Wolf im Schafspelz

Die Abstimmung wirft auch ein bezeichnendes Licht auf Papst Franziskus. Dem Kirchenführer gelingt es zwar, sich durch geschickte Öffentlichkeitsarbeit als großer Reformer  darzustellen. Tatsächlich bleibt die Kirche unter Franziskus genauso homophob wie unter seinem Vorgänger Ratzinger alias Benedikt XVI. (wfr)

[Bilder: Screenshots Euronews]


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02.12.2013, 14:59 uhr / 1 Kommentar / diskutiere darüber im forum

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Ein kommentar zu “Kroatien: Homophober Sieg für katholische Kirche & Co”


  1. wf

    Ist ja nicht nur dort, Russland, Polen und die andere Staaten sind noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen..


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