Bern. – Optimismus, aber keine Entwarnung: So fasst das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Ergebnisse der HIV-Ansteckungsstatistik des dritten Quartals zusammen.
“Erstmals seit Jahren zeigt sich kein weiterer Anstieg der HIV-Meldungen bei schwulen und anderen Männern, die mit Männern Sex haben”, schreibt das Amt in seinem heute erschienen Bulletin und warnt zugleich. “Ein Nachlassen der Präventionsbemühungen könnte diese positive Entwicklung aber schnell wieder zunichte machen.” ähnlich äusserte sich die EU-Kommission.
Nach der Hochrechnung des BAG sind für 2009 mit knapp 250 deutlich weniger HIV-Diagnosen bei schwulen und bisexuellen männern zu erwarten als 2008. Damals waren es 331 Fälle. Die Analyse der monatlichen Meldungen zeige, dass die Trendumkehr im Sommer 2008 stattgefunden habe – zufälligerweise zeitgleich mit dem Abschluss der der Präventionskampagne «Mission: possible!» der Aids-Hilfe Schweiz in der Schwulenszene. Bei heterosexuellen blieb die zahl der neuinfektionen stabil.
eu-kommission besorgt
Die EU-Kommission warnte unterdessen vor dem steigendem Risiko einer HIV-Infektion. Fast jeder dritte HIV-Infizierte wisse nichts von seiner Infektion. “Wir müssen die Menschen ermutigen, für sich selbst und ihre Partner Verantwortung zu übernehmen, indem sie darüber sprechen und sicheren Sex praktizieren und sich auf HIV testen lassen”, forderte EU-Gesundheitskommissarin Vassiliou nach Angaben der Nachrichtenagentur afp: “Im Kampf gegen HIV kann keine Atempause eingelegt werden.“
Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Infizierten sich in einigen an die EU angrenzenden Ländern zu verdoppeln drohe, müssten die EU-Staaten wachsam im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit bleiben. Laut der EU-Kommission stieg die Zahl der HIV-Infizierten in den 27 EU-Staaten und in ihren Nachbarländern von 1.5 Millionen 2001 auf 2,2 Millionen im Jahr 2007. Allein 2007 seien rund 50.000 Neu-Infektionen registriert worden. Der Anteil von HIV-Infizierten an der Gesamtbevölkerung sei besonders hoch in der Ukraine mit 1,6 Prozent, in Estland mit 1,3 Prozent und in Russland mit rund 1,1 Prozent, hiess es weiter. (wfr)
