zürich. – unmittelbar vor dem start der europride 2009 in zürich hat das schwul-lesbische grossereignis für einen politischen eklat gesorgt. wie der “tagesanzeiger” berichtet, warf die religiös-konservativen EDU der stadt Zürich im kantonsrat vor, mit der Euro-Pride 09 eine “gottlose Werbeplattform” für Schwule zu unterstützen. die anderen Parteien wiesen die edu-kritik zurück: Das sei empörende Diskriminierung. die europride-organisatoren reagieren auf schmäh-attacken aus konservativen kreisen unterdessen mit einer strafanzeige.
Direkt vor der Kaffeepause, SO DIE ZÜRCHER ZEITUNG, HABE DER Landwirt Michael Welz AUS Oberembrach und edu-Sprecher erklärt, Homosexualität sei nicht gottgewollt und “mit vielen gesundheitlichen Risiken behaftet”. Wenn mit der Euro-Pride 09 in den nächsten Wochen schwul-lesbische Festivitäten unterstützt würden, sei das ein Propagandafeldzug “zur Beeinflussung unserer Jugend und Gesellschaft”.
Die Stadt Zürich werde fünf Wochen lang zu einer Werbeplattform für den homosexuellen Lebensstil umfunktioniert und wende sich damit “vom Segen Gottes ab”, zitiert der “tagesanzeiger” den Kantonsrat. Völlig unverantwortlich sei es deshalb auch, dass mit der Unterstützung durch Zürich Tourismus, der SBB und der Stadt Zürich “staatliche Sponsorengelder” in diesen verwerflichen Anlass flössen. “Gott schenke Befreiung aus der Homosexualität”, rief er laut der zeitung” vor konsternierten Zuhörern in den Saal.
Schwuler Bankdirektor wirft sich in die bresche
Der bekennende schwule fdp-Kantonsrat und Bankdirektor Hans Peter Portmann aus Thalwil habe die einlassung anschliessend im namen der anderen acht Parteien als “empörend, diskriminierend und verfassungswidrig” zurückgewiesen, heisst es in dem heute veröffentlichten bericht weiter. man müsse “den Anfängen wehren”. Wozu es führe, wenn man solche Exzesse toleriere, habe die europäische Geschichte gezeigt, sagte Portmann unter langen Applaus, was in politischen Debatten “absolut unüblich” sei, wie die zeitung festhält.
Eine diskriminierende replik darauf seitens des EDU-Fraktionspräsidenten Stefan Dollenmeier beendete Kantonsratspräsidentin Regula Thalmann, indem sie dem redner das wort entzog. Michael Rüegg, Sprecher der Euro-Pride, bezeichnete das EDU-Votum gegenüber der zeitung als als ehrverletzend und menschenverachtend: “Das ist unterste Schublade und tiefstes Mittelalter.”
“von gott eingesetzt”
die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) gilt als wertekonservativ, EU-kritisch und bibeltreu. in ihrem “wertepapier” heisst es beispielsweise zum thema “familie”: “Wir betrachten Ehe und Familie als von Gott eingesetzte Beziehungsformen. Familie ist die Grundzelle der Gesellschaft. Ehe ist die auf Dauer angelegte, grundsätzlich unauflösliche Lebensgemeinschaft von Mann und Frau. Familie ist für uns die natürliche Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern.” belegt wird dies dort mit mehreren bibelzitaten.
bei den zürchen kantonsratswahlen 2007 hat die edu 2,8 prozent der stimmen und damit fünf der insgesamt 180 mandate gewonnen.
nun soll gott die parade stoppen
gegen die europride agitiert in der schweiz unter anderem auch der erzkonservative Verein Familienlobby schweiz. im Sommer 2008 hatte er mit hilfe der EDU des Kantons Zürich eine Petition gegen den Anlass gestartet. nachdem diese erfolglos blieb, heisst es nun auf der homepage der familienlobby: “als kirchlicher Verein lässt sich die Familienlobby Schweiz von der scheinbaren Dominanz der ‘Mächtigen’ keineswegs ausbremsen. Gott ist immer in der Übermacht. So bittet eine Anzahl Beterinnen und Beter darum, dass Gott selber die Gross-Parade vom 6. Juni verhindert.”
europride stellt strafanzeige
ein weiteres mittel der agitation sind offenbar Protestbriefe gegen die europride-organisatoren, wie der “tagesanzeiger” am späten abend meldete. Schweiz Tourismus habe mehrere Hundert Schreiben in vorgefertigter Kartenform erhalten, Zürich Tourismus einige Dutzend. die Organisatoren der Euro-Pride haben laut der zeitung ebenfalls Post bekommen. Der Inhalt einiger dieser Schreiben sei “massiv diskriminierend und ehrverletzend”, schreiben die Organisatoren in einer E-Mail, die dem “tagesanzeiger” vorliegt. “Von strafrechtlicher Relevanz” sei namentlich das Verhalten von Daniel Regli, dem Präsidenten der Familienlobby. daher habe man gestern Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat eingereicht: gegen Regli sowie gegen unbekannt.
“abnormal und pervers”
Der “tagesanzeiger” zitiert Auszüge aus den Schreiben. Darin würden Homosexuelle als “schwule Arschlöcher” betitelt; weiter heisse es, Homosexualität sei gegen Gottes Willen, “eine abnormale, perverse Art, eine Beziehung zu führen”, eine menschheitszerstörende Sünde. (wfr)

Am 4. Juni 2009 um 07:35 Uhr
Mein gestriges e-Mail an Daniel Regli uns an seine Familiensekte:
Lieber Herr Regli
Liebe Familienlobby
Was Ihr auf Eurer Homepage zusammendichtet ist erschreckend, respektlos und menschenverachtend. Das erinnert an Argumente von Sekten oder Extremisten, an schlimme, vergangene Zeiten der totalitären Regimes, die die Familie hochpriesen, um für ihre Kriege mehr Soldaten zu produzieren. Wenn Ihr eine simple Parade boykottieren wollt, denkt Ihr sicher an viel Extremeres, dass Ihr gegen Schwule unternehmen möchtet.
Die von Euch zitierten Statistiken über Schwule sind mehr als zweifelhaft. Wer beweist, dass Schwule mehr Drogen konsumieren als Heteros?
Woher habt Ihr z.B. dass 70% der Gays ihre Orientierung nicht akzeptieren und dass sie an Depressionen leiden? Dass immer mehr Heteros schwul oder bisexuell werden, das verschweigt Ihr aber sehr geschickt!
Ich kenne jedenfalls mehr Heteros die an Depressionen leiden als Schwule, weil sie sich mit einem stressigen Familienleben abfinden müssen und solche, die sich mit Frauen eingelassen haben, die den Begriff Liebe und Familie mit etwas egoistischeren Begriffen verwechseln und ihre Ehemänner ein Leben lang terrorisieren. Es gibt auch Krisen wegen Fremdgehen, wegen unerfüllter Sexualität, dies im ganz „normalen“ Bereich des Hetero-Alltags. Das alles nennt Ihr noch Familie?
Kennt Ihr überhaupt die bisexuelle Subkultur? Habt Ihr eine Ahnung, wie viele Familienväter oder Hetero-Männer mit Männern „fremdgehen“ um mehr Glück, mehr Ruhe in ihrer Sexualität zu erleben, um ihre Horizonte zu erweitern? Um ihrer innern Stimme zu folgen? Auch die kommt von Gott - wenn man sich schon immer mit Gott brüstet um alles zu rechtfertigen!
Habt Ihr Angst vor all dieser Wahrheiten und verdeckt sie mit Lügen?
Familie: schaut doch mal wie viel Leid und Elend in vielen Familien steckt, wie viele Scheidungen passieren, wie viele Selbstmorde wegen Ehedramen. Dies nicht wegen andersartiger Sexualität. Und wenn man die aggressiven, schlecht erzogenen Kids von heute anschaut, ist das ein Produkt Eurer hochgepriesenen Institution Familie??
Eure Texte sind Verleumdungen, Ihr solltet Euch schämen, auf derart fundamentalistische Art aufzutreten, und dies im 21. Jahrhundert!
(…)
Eure Organisation sollte sich eher überlegen, warum diese mehr und mehr fragwürdig werdende Institution Familie allmählich zerbröckelt. In Lebensarten, die Eure sakrosante Doppelmoral nicht gefährden – und Euch auf viel tolerantere Art leben lassen als Ihr es tut - solltet Ihr Euch wirklich nicht einmischen.
Es ist einfach nicht zu glauben.
Ich hoffe, die antischwulen Flyers, die sie an der Pride-Parade verteilen wollen, innert Sekunden vom Regen unleserlich nass werden.
Adriano
Dirigent und Komponist
Und, gemäss Eurer Lobby ein „schwules Arschloch“
(geboren 1944)