abgeschaltet: keine svp-sonne für die gaysvp.

abgeschaltet: keine svp-sonne für die gaysvp.

Bern. – Nun hat auch die rechtskonservative Schweizer Volkspartei SVP ihre Schwulendebatte. Genauer gesagt ihre interne. Am Montag  schaltete eine Handvoll SVP-Politiker eine Webseite für die „GaySVP“ auf. Doch sie wurden umgehend von der Parteispitze zurückgepfiffen. Das Parteilogo mit der Sonne, so die Direktive, müsse sofort entfernt werden, hiess es von ganz oben, wie Schweizer Medien berichten.

Was bei anderen Schweizer Parteien an der Tagesordnung ist, soll bei der SVP einfach nicht sein. Zumindest nicht so einfach wie bei der sozialdemokratischen SP oder der freisinnigen FDP, bei denen es längst Gay-Gruppierungen gibt. Obwohl es auch innerhalb der SVP kein Geheimnis ist, dass dort homosexuelle Mitglieder existieren, reagierte die Parteispitze überrumpelt auf die Gründung der 17 Mitglieder zählenden GaySVP: „Wir müssen zuerst abklären, was das für eine Organisation ist und was für Leute dahinterstecken“, sagte SVP-Generalsekretär Martin Baltisser der Gratiszeitung „20 Minuten“, die die Affäre diese Woche in der Schweiz öffentlich machte. Grundsätzlich sei die sexuelle Ausrichtung der Parteikollegen aber kein Problem: „Wir haben zahlreiche homosexuelle Mitglieder.“

Das Logo bleibt tabu
Nur das SVP-Logo sollten der gaySVP-Gründer, unter anderem der Bieler Steuerberater und Politiker Beat Feurer, für homosexuelle Zwecke bitte nicht für die Seite benutzen dürfen. Flugs war es wieder von der Webseite gaysvp.ch verbannt, zwischenzeitlich wurde sie gar vom Netz genommen, nur die drei Buchstaben „SVP“ prangen jetzt noch dort – ohne SVP-Sonne. Die Sonne, das Symbol der SVP, sollte für die rosa Fraktion nicht scheinen. Grund sei aber einzig das Urheberrecht des Parteilogos. „Das Logo darf nur von offiziellen Organen der SVP verwendet werden“, sagte Baltisser zu „20 Minuten„. Um als offizielles Organ anerkannt zu werden, müsse die Delegiertenversammlung über eine Statutenrevision befinden. Und das gehe nur auf Antrag des Zentralvorstandes.

Ich bin überzeugt, dass wir das Okay der Parteileitung bekommen werden: GaySVP-Mitstreiter Thomas Fuchs.

"Ich bin überzeugt, dass wir das Okay der Parteileitung bekommen werden": GaySVP-Mitstreiter Thomas Fuchs.

„organisieren, so wie es auch die Bauern tun“
„Wir Schwulen müssen uns organisieren, so wie es auch die Bauern tun“, sagte der Berner Grossrat Thomas Fuchs unterdessen der Online-Ausgabe der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ in SVP-treuem Duktus.  Fuchs verwies gegenüber der Zeitung darauf, dass selbst die erzkonservativen Republikaner in den USA über eine Homosexuellengruppe verfügten, weil sie das grosse Potential der rosa Wähler erkannt hätten. Sein Parteikollege Thomas Fuchs sagte zu „20 minuten“: „Ich bin überzeugt, dass wir das Okay der Parteileitung bekommen werden.“

Asylangebot von links
Inzwischen boten gar die GaynossInnen, die homosexuelle Sektion der Schweizer Jungsozialisten, per offenem Brief der GaySVP Asyl an, ohne allerdings zu darauf zu verzichten, der SVP hämisch vorzuwerfen, in den letzten Jahren konsequent homophob politisiert zu haben, wie „20 minuten“ berichtet: „Sie (die SVP, Anm. d. Red.) liess keine Möglichkeit aus, schwule Männer zu diffamieren“. Als Beispiele nannte das GaynossInnen-Vorstandsmitglied Florian Vock den Kampf der SVP gegen die eingetragene Partnerschaft sowie die Schmähschrift der Jungen SVP gegen Schwule und Lesben. Vock: „Für die SVP werdet ihr immer als abartig und krank gelten.“ Deshalb böten die GaynossInnen den homosexuellen SVP-Politikern – trotz meist diametral entgegengesetzten Ansichten – politisches Asyl an, was diese wiederum umgehend ablehnten.

„geht das überhaupt zusammen?“
Eine Frage scheint durchaus erlaubt: „SVP und schwul – geht das überhaupt zusammen?“, so formulierte der „Blick“ rhetorisch. Schliesslich predige die Schweizer Volkspartei ein konservatives Familienbild, das keinen Platz für gleichgeschlechtliche Beziehungen lasse. Doch mit den anderen Positionen der Rechtspartei könnten sich viele Homosexuelle durchaus identifizieren, sagt zumindest der GaySVP-Mitstreiter Fuchs. Selbst zwischen dem erstrittenen Minarettverbot und Homo-Rechten gebe es einen Zusammenhang: Die Schwulen „unterstützen unseren Kampf gegen die Islamisierung, schliesslich gibt es in vielen muslimischen Staaten noch die Todesstrafe für Schwule“, sagte Fuchs dem Blatt. Als Schwuler werde man zudem auf der Strasse häufig von Ausländern angepöbelt.

„Emotionale Widerstände“
Feurer sieht das ähnlich. Zwar gebe es in der SVP auf der emotionalen Ebene Widerstände, sich mit Homosexualität positiv auseinanderzusetzen: «Aber wir stehen nicht im Widerspruch zum Parteiprogramm». In der Tat heisst es auf der Webseite der GaySVP: „Wir stehen zur Politik der SVP und unterstützen das Parteiprogramm vollumfänglich. Wir sind für die Ausschaffung krimineller Ausländer, sind gegen den EU-Beitritt und stehen ein für eine unabhängige Schweiz und ihre traditionellen Werte ein.“

„Nicht im Widerspruch zur traditionellen Familie“
Gefordert wird zwar ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. „Diese Petition steht nicht im Widerspruch zur traditionellen Familie“, heisst es jedoch weiter. Auch die GaySVP sei „besorgt über Entwicklungen, die die traditionelle Familie bedrohen“. Gleichwohl unterstützen sie Bestrebungen, Homosexualität an Schulen zum Thema zu machen und politisch Verfolgten Schwulen und Lesben Asyl zu gewähren.

Innerhalb der konservativen SVP bleiben die 17 GaySVPler trotz allem vor allen erstmal eine schwul-lesbische Gruppe. „Würde die SVP dies offiziell unterstützen“, merkte ein Schweizer Blogger an,  „man könnte denken, die Rechtspartei werde weltoffen.“ (wfr)

[screenshot: „20 minuten“, Fuchs: „http://www.thomas-fuchs.ch„]


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16.12.2009, 23:17 uhr / 2 Kommentare / diskutiere darüber im forum

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2 kommentare zu “Schweizer Volkspartei knispst schwulen Parteifreunden die Sonne aus”


  1. Karl Szabo

    Wie schreibt man knipst idioten?


  2. Subject fail

    „knispst“


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