klagenfurt. - Jörg Haider ist tot. Erst bekam der rechtskonservative Politiker des Bündnisses Zukunft Österreich (bzö) ein Staatsbegräbnis mit allen Ehren. Dann beginnt sich die Klatschpresse das Maul über seine angebliche homosexuelle orientierung zu zerreissen.
von wolfgang frey
seit haider parteikollege stefan petzner nun noch im fernsehen unter tränen bekannte, er sei haiders “lebensmensch” gewesen (”Was den Jörg und mich betrifft, war es mehr. Es war umfassend - in vielen Facetten, auf vielen Ebenen”), scheinen nun alle dämme gebrochen. Haiders letzte nacht wird vom boulevard regelrecht seziert, sein angeblicher besuch der klagenfurter schwulenbar “der stadtkrämer” minutiös rekonstruiert und petzner, der eigentlich bzö-klubchef werden sollte, muss sich nun mit dem vizeposten zufrieden geben. damit ist haiders privatleben, über das schon seit jahren spekuliert wurde, posthum nun doch zum politikum und zum spielball der klatschspalten geworden.
die art und weise, wie das passiert, hinterlässt einen schalen nachgeschmack. jörg haider war wegen seinen rechtspopulistischen äusserungen sicher auch zu recht umstritten und vielen ein dorn im auge. ob man das privatleben eines toten aber derart sezieren muss, ist eine andere frage.
(foto: bzö)
