feldkirch. - der erzkonservative linzer weihbischof Gerhard Maria wagner hat für einen tag schützenhilfe aus vorarlberg bekommen. in einem interview mit “radio orf vorarlberg” verglich der feldkircher Bischof Elmar fischer homosexualität am mittwoch mit “psychischen erkrankungen” wie alkoholismus und angstneurosen. am donnerstag ruderte er nach einem sturm der entrüstung wieder zurück.
ebenso wie wagner gab sich fischer am mittwoch überzeugt, homosexualität lasse sich “heilen”. und auch fischer unterstrich, schwule und lesben solle man ebensowenig aus der katholischen kirche ausschließen wie andere psychisch kranke. der ausgebildete psychotherapeut sagte dem “orf” wörtlich: “wir sind froh, wer immer heilbar ist.”
den umstrittenen und nicht weniger homophoben bischof wagner würdigte fischer als einen priester, der seine aufgabe offenbar ernst nehme, echte gläubigkeit vermittle und dem gesellschaftlichen werteverfall entgegenwirke.
“die wahren nöte der menschen”
der steierische diözesanbischof egon kapellari sekundierte: “ich glaube, dass wir uns immer wieder zu zentralen themen äußern und die wahren nöte der menschen sehen und darauf reagieren sollten.” eberhard amann, pfarrer von st. gallenkirch nannte fischers aussagen am mittwoch “mutig”. dass der rechte flügel der kirche gestärkt werde, sei zu begrüßen, sagte der montafoner geistliche.
widerspruch erntete fischer dagegen únter anderem vor der eigenen haustür. der feldkircher pfarrer stefan biondi sagte, es sei erschütternd, wie ungeniert hohe kirchliche würdenträger die arbeit an der basis zunichte machten. homosexuelle seien “ganz normale, gesunde menschen”.
eine “schöpfungsvariante gottes”
der bregenzer pfarrer rudi siegl reagierte empört. homosexualität sei eine “schöpfungsvariante gottes”, sagte er. in fischer diözese gebe es eine größere anzahl schwuler priester, die durch solche angriffe in die ecke gestellt würden. fischer empfahl er, sich mit diesen zusammenzusetzen und zu hören, was sie zu sagen hätten.
die vorarlberger oppositionsparteien zeigten sich nach einem bericht der “austria presse agentur” ebenfalls bestürzt. spö-bundesrat reinhold einwallner nannte fischers äusserungen “ungeheuerlich”, brigitte stadelmann von den “grünen andersrum” sprach von “hetze”. beide unterstrichen ihre hoffnung, die katholische kirche möge sich von ihrer “mittelalterlichen geisteshaltung” verabschieden.
ein wiederholungstäter
fischer, seit 2005 bischof in feldkirch im dreiländereck österreich, liechtenstein schweiz, war laut “orf” bereits 1996 mit homophoben äusserungen aufgefallen. als generalvikar der diözese erklärte er in einem schreiben an alle katholischen pfarrämter, dass 28 prozent der schwule und lesben mehr als tausend sexualpartner hätten, dramatische sexualpraktiken ausübten und “gewisse geistige störungen unter homosexuellen öfter auftreten würden”. zudem seien homosexuelle siebenmal öfter pädophil als heterosexuelle.
eine entschuldigung
inzwischen hat sich fischer entschuldigt, wie der webseite der katholischen kirche vorarlberg zu entnehmen ist - offenbar auch auf internen druck. die Junge Kirche Vorarlberg reagierte heute jedenfalls erleichtert. “Wir haben in unserer Arbeit auch mit Homosexuellen zu tun und erleben sie weder als krank, noch dass sie mehr der Heilung bedürfen als Heterosexuelle“, sagte Christine Burtscher, Leiterin der Jungen Kirche.
„Wir respektieren Personen unabhängig ihrer sexuellen Neigung. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität ist uns wichtig und diese Haltung vermitteln wir auch in unseren Projekten mit Jugendlichen. Denn es geht nicht um eine Entscheidung zur sexuellen Ausrichtung, sondern um eine Entscheidung für die Liebe. Gerade als gläubige Menschen basiert unsere Lebenseinstellung auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Diese muss allen Menschen gelten, gerade in der Kirche“, so Burtscher.
“pastorale fähigkeiten”
dem “orf “sagte fischer heute, Er habe sich wohl versehentlich auf überholte literatur zur homosexualität gestützt. überhaupt habe er mit seinen Aussagen nur ausdrücken wollen, dass man den Linzer Weihbischof Wagner nicht nur verurteilen, sondern auch seine pastoralen Fähigkeiten sehen solle, so der Feldkircher Bischof. Besonders in seinem Amt als Diözesanbischof sei es ihm ein Anliegen, jungen Menschen auf dem Weg in ein erfülltes, segensreiches Beziehungsleben Wegbegleiter zu sein. (wfr)
[foto: orf]

Am 13. Februar 2009 um 11:53 Uhr
Hallo,
das kann doch woll nicht wahr sein, ich habe agoraphobie und bin schwul. Die Kirrche brauch sich nicht wundern,das immer mehr mitglieder aus der Kirche austreten. Wenn sieso über ihre Mitglieder und deren Familien und Bekantenkreis redet.
Ronny
Am 15. Februar 2009 um 10:56 Uhr
nein, da müssen sie sich wirklich nicht wundern. und die kirchen sind ja auch jetzt schon leer genug