Des Bischofs Unwissenheit und Herzlosigkeit


gastkommentator Viktor Hermann.

gastkommentator Viktor Hermann.

salzburg. – Der neue Linzer Weihbischof Wagner behauptet, man könne Schwule „heilen”. Das ist dumm, arrogant und herzlos. Wenn man Gerhard Maria Wagner wohl wollte, könnte man sagen, der Mann wisse nicht, wovon er redet. Die Behauptung, man könne Homosexualität „heilen”, ist schon einmal  falsch, weil sie von der Voraussetzung ausgeht, schwul zu sein sei eine Krankheit wie die Grippe.

von Viktor Hermann*

Wagner beweist mit dieser Einstellung, dass er sich um Erkenntnisse der Naturwissenschaften nicht schert, wenn diese nicht in sein seltsames Weltbild passen. Wir wissen ja schon seit Langem, dass sexuelle Veranlagung genetisch angelegt und bedingt ist.

Wagners Ansatz ist herzlos, weil er Menschen mit homosexueller Veranlagung und Lebensweise pauschal ablehnt und nicht in der Lage ist, sie so zu akzeptieren, wie sie sind. Viel lieber will er sie sich zurechtbiegen. Das erinnert fatal an ein Menschenbild, das der katholischen Kirche jahrhundertelang als Rechtfertigung für Missionierung mit Feuer und Schwert diente.

Wagner hat offensichtlich nicht verstanden, dass sich die emotional vernünftigen Teile der katholischen Kirche von diesem Menschenbild schon längst verabschiedet haben. Und dennoch hat Wagners Herzlosigkeit auch etwas Gutes. Die Debatte darum, wie eine Gesellschaft mit homosexuellen Männern und Frauen umgehen soll, ist in Österreich eingeschlafen.

“schweigende Duldung” statt debatte
Man hat sich zu schweigender Duldung durchgerungen, will den Schwulen und Lesben aber noch immer nicht so recht glauben, dass sie ganz normale bürgerliche Menschen sind, die sich nach Stabilität in ihren Beziehungen sehnen. Deshalb hat die Gesellschaft die Debatte um die Homosexuellen auf die Frage reduziert, ob sie ihre Partnerschaften auf dem Standesamt oder beim Notar öffentlich festigen dürfen.


Wagner hat uns aus dieser Bewegungslosigkeit herausgeholt. Denn er hat Widerstand provoziert und damit die Debatte befeuert. Der Stand des Wissens in der Bevölkerung über Homosexualität wird bald so hoch sein wie nie zuvor.

Dank Wagners Provokation steigen aber jetzt auch Leute für die Rechte der Schwulen und Lesben auf die Barrikaden, von denen man das nicht erwartet hatte. Praktiker der Seelsorge, gelehrte Theologen stehen auf und weisen Wagners Arroganz und Unwissenheit, aber auch seine Herzlosigkeit zurück. Sie wollen nicht schon wieder in den Geruch geraten, sie und die ganze Kirche stünden den Menschen fern, sie seien unmenschlich, überheblich und rechthaberisch.

.

sn

*Viktor Hermann ist Vize-Chefredakteur der “Salzburger nachrichten“. dieser kommentar erschien dort am 9. februar 2009 und wurde tuckenalarm.com vom autor freundlicherweise zur verfügung gestellt. tuckenalarm.com bedankt sich herzlich für den beitrag.



ein beitrag vom 10.02.2009 / diskutiere darüber im forum /





weitere artikel zum thema im tuckenalarm-archiv:


2 kommentare zu “Des Bischofs Unwissenheit und Herzlosigkeit


  1. Oliver

    Tja, und nun der nächste Bischof der kath. Kirche, der sich einem homophoben Erguss hingibt. Der Feldkircher Bischof Elmar Fischer zieht in einem ORF-Interview doch ernsthaft einen Vergleich zu Alkoholismus, da dieser ja auch eine psychische Erkrankung sei.

    Schön langsam trauen sich die röm.kath. “Fundis” aus der Deckung und zeigen fast täglich deren diskriminierendes Gedankengut. Insofern muss ich Viktor Hermann widersprechen. Diskussion ist gut und wichtig, aber auf dem Niveau der katholischen Kirche ist eine sachliche Argumenation nicht möglich und teilweise wohl sogar kontraproduktiv…


  2. tuckenalarm

    richtig, die fundis trauen sich jetzt raus.
    das liegt, glaube ich, aber nicht an der diskussion,
    eher daran, das der papst das mehr oder weniger
    gerade zur doktrin erhebt. das hat erst zur diskussion
    geführt.

    diese auch innerkirchliche diskussion, in der in der tat
    böse mit schlamm geworfen wurde, hat im fall von
    feldkirchs bischof fischer nah 24 stunden immerhin dazu
    geführt, dass er sich “entschuldigt” hat.

    ich denke, diskussion gibt den kritikern des papstes
    innerhalb der kirche eine hörbare stimme. das
    finde ich eigentlich produktiv.


hier kannst du einen Kommentar schreiben



der schwul-lesbische szene-führer für die ostschweiz, das rheintal, liechtenstein und vorarlberg.


diskutiere mit anderen usern im tuckenalarm-forum.



wo man sonst noch gerne draufklickt.



werbung.



auf dem laufenden bleiben. mit twitter.



ein fan werden. auf facebook.



das lifestyle-portal der aids-hilfe schweiz.



der button gegen die umpolung. gibt's bei gruene-andersrum.at.



die kampagne für eine eingetragene partnerschaft in liechtenstein.


ich weiss, was ich tu
die kampagne der aids-hilfe für mehr respekt und verantwortung beim sex.



Google