Vaduz. – Zu den Landtagswahlen in Liechtenstein treten zwei schwule Männer an: Für die Freie Liste (fl) der langjährige präsident der schwulen- und lesbeninitiative “flay”, Patrick Risch, und sein nachfolger in diesem amt, daniel f. seger von der fortschrittlichen bürgerpartei (fbp). In der liechtensteiner tageszeitung “volksblatt” äussert sich seeger erstmals dezidiert dazu, was er als Abgeordneter für schwule und lesben tun will.
“In Liechtenstein gibt es noch immer Menschen, die nicht mit dem Menschen zusammenleben dürfen, den sie lieben. Die Rede ist von Menschen, die sich in Menschen des gleichen Geschlechts verlieben. Bisher ist dies nicht möglich”, schreibt seeger. Gleichgeschlechtliche Beziehungen existierten im Gesetz nach wie vor nicht. Dabei gehe es nicht um eine kleine Anzahl, sondern um fünf bis zehn Prozent der liechtensteinischen Bevölkerung, was etwa 1750 bis 3500 Personen entspreche.
Keine Chance, legal zusammenzuleben
“Diese Menschen stehen Problemen gegenüber, über die sich gemischtgeschlechtliche Paare keine Gedanken machen (müssen). Beispielsweise ist einer der Partner Ausländer und hat nicht das Glück, eine Aufenthaltsbewilligung oder Niederlassung für Liechtenstein zu haben, so sind die beiden gezwungen, ins nahe oder ferne Ausland zu ziehen, weil es keine Möglichkeit gibt, legal in Liechtenstein zusammenzuwohnen”, so seger.
Auch fürs Erbrecht wünscht sich seger reformen: gleichgeschlechtliche Partner würden im land wie Dritte behandelt. Im Todesfall könne dem Partner nicht mehr hinterlassen werden als einem beliebigen Dritten, da kein Pflichtteilsrecht bestehe. Oft gehe der Partner sogar leer aus, beispielsweise wenn kein Testament vorhanden sei.
“Partnerschaftsgesetz kostet nichts”
“eigentlich”, schreibt seger im “volksblatt”, gehe es “nur um den Wunsch, mit dem Menschen, der geliebt wird, in Liechtenstein zusammenleben zu können, sich absichern zu können, füreinander Rechte und Pflichten zu übernehmen: Ein Partnerschaftsgesetz kostet nichts, aber bringt sehr viel.” Deshalb setze er sich dafür ein, “denn ich bin mit Stolz Liechtensteiner und erzähle mit Freude von meiner Heimat und wo ich herkomme.”
die freie liste ist die kleinste partei in liechtenstein. sie gilt als grünliberal. die fpb, derzeit die partei mit den meisten stimmen im landtag, gilt als konservativ und stellt mit otmar hasler derzeit den regierungschef. zweitgrösste partei in liechtenstein ist die vaterländische union (vu). sie regiert in einer grossen koalition zusammen mit der fbp. (wfr)
aktualisiert am 29. januar 2009
