In der Schweiz heisst er Philipp Gut, in Österreich Andreas Unterberger. Der eine arbeitet als Kultur- und Gesellschaftschef bei der “Weltwoche”, der andere ist ehemaliger Chefredakteur der “Wiener Zeitung”. Beide versuchen derzeit, in pseudo-feuilletonistischem Duktus den überfälligen staatlichen und gesellschaftlichen Respekt vor Schwulen und Lesben zu diskreditieren. Am Ende diskretitieren sie sich damit selbst.
Von Wolfgang Frey
Zu den Anwürfen von Phillip Gut haben auf tuckenalarm.com bereits der deutsche Medienjournalist und Publizist Stefan Niggemeier und Grünen-Politiker Volker Beck Stellung genommen. Philipp Gut konstatiert eine Art Weltverschwörung der Homosexuellen gegen seine offenbar eingeschränkt heterosexuelle Weltsicht, er fühlt sich lesbar bedroht und stilisiert Homosexualität zu einer Art Religion herauf, der sich offenbar niemand zu entziehen wage.
Auf seinem “nicht ganz unpolitischen” Tagebuch setzt Andreas Unterberger unter dem Titel “Schwulenehe: Die miesen Tricks” nun noch einen drauf. Die unzureichenden Vorschläge für eine Eingetragene Partnerschaft in Österreich sind ihm einen Erguss wert, der beim homosexuellen Leser das Gefühl auslöst, er müsse schon fast ein wenig hass- oder zumindest angsterfüllt sein. Der Chef der konservativen Volkspartei Österreichs (ÖVP), Josef Pröll, dessen Partei bis zum Schluss gegen den Protest zahlreicher Homo-Vertreter im Land bremste, was zu bremsen war, ist für Unterberger nun zum “Umfaller” geworden, weil er dieser Homo-Ehe-light überhaupt seinen Segen (“gangbarer Kompromiss”) gab.
bäuerlicher Hintergrund
Unterberger schreckt vor nichts zurück, um seinen Punkt zu machen. Leseprobe gefällig? “Dass Pröll glaubt, damit ein wählerattraktives Signal zu setzen, hängt zweifellos mit der Unsicherheit eines Mannes mit bäuerlichem Hintergrund angesichts des Großstadtmilieus zusammen.” Für Unterberger ist die Eingetragene Partnerschaft inzwischen bis auf “Kleinst-Aspekte” der Ehe gleichgestellt. Österreichs schwul-lesbische Organisationen schütteln dazu zu Recht den Kopf. Von Gleichstellung kann keine Rede sein. Beispiel Ort der Eintragung: Bezirkshauptmannschaft statt Standesamt. Aber dieser Ort ist für Unterberger ohnehin nur ein “Tatort”.
Einwanderungsphantasien
Und an diesem werden dann österreichische Pässe verteilt, schliesslich öffnet die Eingetragene Partnerschaft laut Unterberger einen “neuen, breiten Weg zu Staatsbürgerschaftsehen”. Und diese menschen holen dann natürlich noch ihre Familien nach. Und wenn einer stirbt, verlangt der homosexuelle Partner Witwenrente: “Da wird durch die Hintertür ein weiterer überflüssiger Griff in die leeren Pensionskassen ermöglicht.”
“propagandistische Züge”
Und schliesslich outet sich Unterberger als Seelenverwandter von Philipp Gut, der es offenbar auch nicht verwinden kann, das etwas ist, was nicht sein darf: “Für viele Österreicher bleibt jenseits aller ökonomischer Erwägungen aber auch der schon laut gefeierte Triumph der homosexuellen Szene ein Problem. Denn zweifellos hat ihr von Rot-Grün-Schwarz unterstütztes Auftreten und erst recht die Homo-Ehe propagandistische Züge, die nicht wirkungslos bleiben werden.”
Frage des Respekts
Genau: Respekt vor dem anderen bedeutet (in dieser Lesart der Ereignisse) das Ende des Eigenen. Ist das wirklich so? Oder bedeutet Respekt nicht vielmehr leben und leben lassen? Sind jemals die heterosexuellen Pärchen, die sich demonstrativ auf Schwulenparties oder vor CSD-Bühnen zeigen, von den Homosexuellen, die angeblich eine Art Weltherrschaft anstreben und alle andersliebenden bekehren wollen, verjagt, zusammengeschlagen worden?
Missverständnis Bedrohung
Schade, wenn man nicht leben lassen kann, einfach, weil man die Bedeutung von Worten wie “Respekt” oder “Gleichstellung” offensichtlich nicht versteht. Die Herren Gut und Unterberger, die sich so intellektuell gerieren, hören solche Worte und verstehen “Bedrohung”. Warum? Wovor muss irgendjemand Angst haben, wenn andere nicht die Macht einfordern, sondern nur das, was für alle anderen auch gilt?
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Philipp Gut im Schweizer Magazin “Weltwoche”: “Handschellen in Rosarot”
Philipp Gut in der deutschen Tageszeitung “Die Welt”: “Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden“).
Stefan Niggemeiers Antwort auf Philipp Gut auf tuckenalarm.com: ”
Die Schwulen sollen wieder verschwinden“
Volker Becks Antwort auf Philipp Gut auf tuckenalarm.com: “Homophobie in neuen Schläuchen“
Andreas Unterberger in seinem Blog: “Schwulenehe: Die miesen Tricks“
