Einstige Erzfeinde schließen Koalition: CDU-Chef Bouffier (links) und Grünen-Chef Al-Wazir.

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Wiesbaden. – An Hessens Schulen soll das Thema Homosexualität künftig eine größere Rolle spielen. Das haben die hessischen Grünen in ihrem Koalitionsvertrag mit der CDU durchgesetzt. Auch will das schwarz-grüne Regierungsbündnis jungen Schwulen und Lesben das Coming-Out erleichtern.

Das darf zumindest als kleiner Erfolg der Grünen gelten. In anderen Politikbereichen wie Energiewende und Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen hat sich dagegen vor allem der bisherige politische Erzfeind CDU durchgesetzt.

Keine Angst vorm Coming-Out

Hessen, so steht es im Koalitionsvertrag, wird einen „Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt“ erarbeiten. Dazu, heißt es weiter, „gehört insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des ‚Coming Out‘ und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen.“

Schwule und Lesben in Schulen

Geschehen soll diese Sensibilisierung auf Basis der im vergangenen Jahr auch in Hessen gestarteten „SchLAu„-Projekte, bei denen ehrenamtliche Vertreter von Homosexuellen-Organisationen und -Vereinen in die Schulen gehen, um dort für Akzeptanz und Respekt gegenüber Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender zu werben – vor allem anhand der eigenen Geschichte.

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Schwulenparagraph 175 auf dem Prüfstand

Zudem haben sich CDU und Grüne darauf geeinigt, die Schicksale der hessischen Opfer des ehemaligen Schwulenparagraphen 175 wissenschaftlich aufzuarbeiten. Nicht durchsetzen konnten sich die Grünen dagegen mit der Forderung nach einer Ergänzung des Gleichheitsgebots in Artikel 1 der hessischen Landesverfassung um das Merkmal der sexuellen Identität. Endgültig entscheidet über den Koalitionsvertrag die Mitgliederversammlung der Grünen am Samstag.

LSVD begrüßt …

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) Hessen begrüßte den „Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt“. LSVD-Hessen-Sprecher Knut Nagel sagte, Hessen sei damit das erste unionsgeführte Bundesland, das einen solchen Plan forciere. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Paragraphen 175 sei zu begrüßen.

… und kritisiert

Kritisch sieht der LSVD Hessen dagegen die fehlende Ergänzung des Gleichheitsgebots in der Verfassung. Nagel kritisierte zudem eine fehlende Vereinbarung zum Stimmverhalten bei Gleichstellungsfragen im Bundesrat: „Wir erwarten ein deutliches Eintreten für die Öffnung der Ehe und das gemeinsame Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.“ Ein Leben ohne Benachteiligung aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität sei auch in Hessen nicht ohne die volle Gleichstellung im Bund möglich. (wfr)

[Bild: Screenshot gruene-hessen.de]


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18.12.2013, 21:59 uhr / 0 Kommentare / diskutiere darüber im forum

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