Ein Zwischenruf von Johanna Schlitzkus

Ein Zwischenruf von Johanna Schlitzkus

Von Johanna Schlitzkus*

Heute, am 5. Mai, ist der zweite internationale Tag der Regenbogenfamilien. Meine Tochter sagt dazu: „Wir sind so normal wie Kaugummi kauen“. Also ist es – zumindest für uns – heute ein Tag wie jeder andere auch.

Die vergangenen Wochen waren geprägt vom Tumult in Frankreich. Das, was dort mit aller Macht als anormal empfunden wird – dass homosexuelle Menschen eine Familie haben – ist für uns Alltag.

Kaum ein Unterschied

Es gibt Momente, da schaue ich wie eine fremde Beobachterin auf unsere kleine Regenbogenfamilie. Und ich sehe etwas, dass sich kaum von anderen Familien unterscheidet. Da sind Eltern, die ihr Kind lieben, ein Kind, das fröhlich durch die Gegend springt. Da gibt es lachen am Morgen und den Gute-Nacht-Kuss am Abend.

reklame


 

Doch etwas Besonderes
Ich sehe nichts, was irgendwie besonders ist. Und doch werden wir als etwas Besonderes betrachtet. Es ist gar nicht so einfach, das in den Alltag zu integrieren, dieses „Regenbogenfamilien-Anders-Sein“.

Für unsere Tochter ganz normal
Meine Frau, ich und Bernie, der Papa unserer Tochter, vergessen es oft, dieses „Anders-Sein“, weil unsere Tochter es uns vergessen lässt. Für sie sind wir die normalsten Menschen der Welt.

Johannas Familie: Ganz normal.

Johannas Familie: Ganz normal.

Große Kontroverse

Während sich Frankreich im Streit um die Gleichstellung polarisiert, während die homosexuellen Menschen die Öffnung der Ehe feiern, und während die Konservativen Pläne schmieden, wie sie die „Ehe-Für-Alle“ wieder aus dem Gesellschaftsbild entfernen könnten, kaum dass das Gesetz durch ist, – während all dem überlegen wir gerade, welche Pflanzen wir im Garten anbauen.

Freunde, Hennen und Kuchen
Meine Tochter lacht auf der Straße mit ihren Kindergartenfreunden und ich bringe die Eier unserer Hennen Emma und Liesel zu unseren knuffigen Nachbarn, während meine Frau unsere Gartenbank abschleift und neu streicht. Bernie wartet auf seinen Kaffee und gleich essen wir seinen selbst gemachten Kuchen. So oder so ähnlich wird es auch heute wieder sein – ein vollkommen normaler Sonntag an diesem 5. Mai.


Der Unterschied
Das einzige, was unsere Regenbogenfamilie von anderen Familien unterscheidet, ist der immer noch währende Kampf gegen Diskriminierung und Intoleranz.  Unser großer Wunsch ist es, das wir endlich als das wahrgenommen werden, was wir sind – eben eine Familie, so normal wie Kaugummi kauen.

*Johanna Schlitzkus lebt mit ihrer Frau und ihrer Tochter in einem einen kleinen Ort im hessischen Odenwald. Sie ist Jahrgang 65, Buddhistin, Autorin und Frührentnerin (sie hat viele Jahre als Psychologische Beraterin im Bereich Regenbogen-Familienberatung und Coming-Out gearbeitet). Wenn Johanna nicht mit ihrer Familie und ihren zahlreichen Tieren beschäftigt ist, schreibt sie Kurzgeschichten oder Kommentare zu politischen oder religiösen Themen.


forum
05.05.2013, 00:02 uhr / 2 Kommentare / diskutiere darüber im forum

zum thema
mithelfen

    tuckenalarm.com ist ein ehrenamtliches news-projekt, dass sich für die rechte von schwulen und lesben einsetzt und diskrimierung öffentlich macht. die redaktion freut sich über jede unterstützung. über gastautoren oder eine spende. zum beispiel für ein kaltgetränk. da reichen schon 50 cent. es hilft natürlich auch immer, mal auf eine google-anzeige zu klicken.

    spenden

reklame


2 kommentare zu “ Regenbogenfamilie: „So normal wie Kaugummi kauen“


  1. QueerChris

    Der Unterschied ist doch lediglich der, dass ihr euch bewusst und gegen alle biologischen und gesellschaftlichen Probleme dazu entschieden habt, diese Familie zu gründen und dafür zu kämpfen. Heteros hingegen gehen doch immer nur nach dem anerzogenen Lebensschema-F vor. Partner, Kinder, Haus. Das sind von der Gesellschaft implantierte Wünsche – keine eigenen. Regenbogenfamilien sind wohl das, was jede Familie sein sollte: Eine Entscheidung aus freien Stücken.


  2. Johanna

    Da gebe ich dir recht Querchris. Es war eine bewusste Entscheidung. Diese Entscheidung hat natürlich auch eine Vorbereitung gebraucht. Wir haben uns insgesamt 5 Jahre darauf vorbereitet….

    Eine lange Zeit… unsere Tochter ist immer noch ein Wunder… und wird es wohl auch immer sein..
    Liebe Grüße von Johanna


schreibe einen kommentar