Fährt nicht nach Sotschi: Joachim Gauck.

Fährt nicht nach Sotschi: Joachim Gauck.

Berlin. – Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck boykottiert die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Das Bundespräsidialamt hat einen entsprechenden Bericht das Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ am Sonntag bestätigt. Wie „Der Spiegel“ schreibt, will Gauck ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen – darunter die grassierende Homophobie in Russland – und dem Umgang des Putin-Regimes mit der Opposition setzen.

Der parteilose Gauck distanziert sich damit von der Haltung des Kanzleramts. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt gegen einen Boykott ausgesprochen. Das internationale Olympische Komitee (IOC) selbst wagt keine Kritik an der grassierenden Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit in Russland.

IOC hat Angst ums Geld

Die Olympia-Manager machen sich vor allem Sorgen um den eigenen Profit. Wenn es während der Spiele im Februar 2014 zu Protesten gegen die Homophobie in Russland komme, könne dies dem IOC schaden, erklärte der IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg im September bei der Vollversammlung in Buenos Aires. Sponsoren könnten abspringen, finanzielle Ausfällen seien zu befürchten. „Das könnte viel für uns kaputtmachen“, sagte Heiberg.

IOC baut auf Putins Versprechen

Der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge sagte bei der selben Gelegenheit, man könne vom IOC „nicht erwarten, dass es in die Gesetzgebung eines souveränen Staates eingreift“. Das international scharf kritisierte „Gesetz gegen homosexuelle Propaganda„, so die IOC-Argumentation, sei schließlich erst nach der Vergabe der Olympischen Spiele in Kraft getreten. Zudem habe Staatspräsident Wladimir Putin versprochen, schwulen und lesbischen Sportlern werde während der Spiele nichts passieren.

Frage des „Olympischen Geistes“

Das IOC bewegt sich damit auf dünnem Eis, zumindest, wenn es ums eigene Selbstverständnis geht. Das zeigt ein Blick in die Olympische Charta. Jede Art von Diskriminierung, heißt es dort, stehe im Widerspruch zum Geist der olympischen Bewegung. Dies gilt dem Wortlaut nach zwar nur für die Teilnehmer an den Spielen, der „Olympische Geist“ müsste eigentlich aber auch für das IOC selbst gelten.

LGBT-Aktivisten fordern Klarheit vom IOC

Daran haben russische Homosexuellenaktivisten am vergangenen Wochenende auch den neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach erinnert. Bei dem Treffen in Paris kritisierten sie, dass es nach wie vor „kein klares Statement oder irgendeine Aktion von Seiten des Internationalen Olympischen Komitees“ zu den homophoben Gesetzen in Russland gebe.

Putins Versprechen irrelevant

Jedes Mitglied der Olympischen Familie müsse sich vor einer Regierung hüten, die für die Rechte homosexueller Menschen nicht garantiere, erklärten die Aktivisten. Dabei sei es auch irrelevant, dass Putin erklärt habe, es werde keine Diskriminierung Olympischer Athleten in Sotschi geben. Das IOC, so die Aktivisten, müsse sich mit dem Thema befassen und öffentlich Stellung beziehen.

Gauck meidet Putin

Zumindest Bundespräsident Gauck setzt jetzt ein Zeichen. Als erster Staatsmann Europas hat er dem Kreml in Sachen Olympia eine Absage erteilt. Beobachter in Berlin werten das als starkes und zugleich nachvollziehbares Zeichen: Gauck hatte in der ehemaligen DDR gegen die Unterdrückung durch das Ost-Berliner Regime gekämpft. Mehrfach hat sich Gauck später auch kritisch zur Menschenrechtslage im heutigen Russland geäußert. Als Bundespräsident hat er ein bereits ein Treffen mit Staatspräsident Wladimir Putin im vergangenen Jahr platzen lassen, offiziell aus Termingründen. Seit seinem Amtsantritt hat Gauck es konsequent vermieden, nach Russland zu reisen. (wfr)

[Bild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung]

 


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08.12.2013, 12:48 uhr / 0 Kommentare / diskutiere darüber im forum

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