Berlin. – Wirkungsvoller Protest gegen musikalische Mordaufrufe gegen Schwule: Der homophobe Reggae-Sänger Sizzla tritt heute nicht wie geplant im Berliner “Kesselhaus” auf. Auch ein zunächst angekündigtes Ausweichquartier lehnte einen Auftritt ab: “Der Betreiber des Huxleys stellt dem Künstler die Räumlichkeiten für ein Konzert nicht zur Verfügung und distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt dieser Veranstaltung”, hiess es am Abend auf der Webseite der Berliner Location “Huxleys Neue Welt”.
Das “Kesselhaus” hatte angesichts des Protests verschiedener Gruppen und Politiker zunächst versucht, den Künstler zu einer klaren Positionierung gegen Homophobie und Gewalt gegen Lesben und Schwule zu bewegen, wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) heute mitteilte. Auch der LSVD habe versucht, Sizzla ein letztes Mal eine goldene Brücke zu bauen.
Goldene Brücke nicht betreten
Nach Angaben des schwul-lesbischen Online-Portals “queer.de” sollte Sizzla aus seiner Gage unter anderem eine Akzeptanzkampagne zum Thema Homosexualität in Jamaika finanzieren und per Videostatement gegen Homophobie und Gewalt an Lesben und Schwulen Stellung beziehen.
“Er wollte sie (diese goldene Brücke, Anm. d. Red.) nicht betreten, sondern will offenbar weiter Hass gegen Homosexuelle verbreiten”, sagte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz. “Von daher ist die Entscheidung, den Auftritt abzusagen, folgerichtig.”
Ein Korb vom Ausweichquartier
Wie der Berliner “Tagesspiegel” berichtet, fassten Sizzlas Manager nach der Absage “Huxleys Neue Welt” als Ausweichquartier ins Auge. “Heute morgen haben wir eine anonyme Einmietung erhalten”, sagte Christoph Becker vom “Huxleys” der Zeitung. Man habe zunächst zugesagt, weil es ja auch ein Top-Act hätte sein können, der dort einen Überraschungs-Gig habe spielen wollen. Trotz rechtskräftigem Vertrag lehnte “Huxleys Neue Welt” einen Auftritt schliesslich ab.
Unterdessen riefen der LSVD und die Initiative “SmachHomophobia” zu einer Demonstration in Berlin gegen die Tournee des Sängers durch Deutschland auf. Laut “blue.fm” fanden sich rund 200 Demonstranten am Treffpunkt ein. Am Mittwoch hatte Sizzla den ersten Auftritt seiner Tour in Wuppertal. Laut “Queer.de” demonstrierten dort 50 Menschen gegen den Auftritt. (wfr)
