"keil zwischen katholiken": "gloria.tv"

„keil zwischen katholiken“: „gloria.tv“

Berlin/Würzburg. – Mit ihrem öffentlichen Lob für „kreuz.net“-Sympahisanten gerät die konservativ-katholische Videoplattform „gloria.tv“ zunehmend auch in katholischen Kreisen ins Abseits. Das Bistum Würzburg verbietet „gloria.tv“ jetzt die Publikation von Videos und Texten des Bistums. Die Deutsche Bischofskonferenz reagiert inzwischen ebenfalls verschnupft. „Gloria.tv“ wirft „Homosexuellenaktivisten“ unterdessen vor „Keile zwischen Katholiken“ zu treiben und „gloria.tv“ in „Verruf“ bringen zu wollen.

Wie „Main Post“ und „Süddeutsche Zeitung“ übereinstimmend berichten, hat das Bistum Würzburg die Zusammenarbeit mit „gloria.tv“ (Motto: „the more catholic the better“) aufgekündigt. Ein Sprecher sagte der „Main Post“, die „inhaltliche Ausrichtung“ von „gloria.tv“ habe sich „sehr verändert“ und sei „nicht mehr angemessen“.

Lob für „kreuz.net“-Erben
Kürzlich hatte „gloria.tv“ den Versuch einer Neuauflage des als verfassungsfeindlich eingestuften Forums „kreuz.net“ unter dem Namen „kreuz-net.info“ als „mutig“ gelobt. Bislang hatte das Bistum Würzburg das von Moldawien aus betriebene „gloria.tv“ als Kanal genutzt, um „die Verbreitung“ der eigenen Fernseh-Beiträge zu erhöhen.

Auffangbecken
Seit der Abschaltung von „kreuz.net“ Anfang Dezember gilt das Portal „gloria.tv“ Kritikern neben „kreuz-net.info“ als eines der Auffangbecken für heimatlos gewordene „kreuz.net„-Autoren und Leser. „Kreuz.net“ hatte sich vor allem durch seine Hetze gegen Schwule, Lesben, Juden und liberale Christen ausgezeichnet. In Kommentaren auf „gloria.tv“ findet sich regelmässig ähnliches rechtskonservatives Gedankengut.

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Wachsende Kritik
Wie die „Süddeutscher Zeitung“ meldet, wächst die Kritik an „gloria.tv“ auf auch in weiteren katholischen Institutionen. Die Fernsehstelle der Deutschen Bischofskonferenz, kirche.tv, wolle demnächst über einen Boykott von „gloria.tv“ beraten, heisst es. Grund seien die „sehr radikalen Tendenzen“ des Portals, heisst es dort. „katholisch.de„, das offizielle Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, prüfe ebenso wie der Bayerische Rundfunk Schritte wegen Urheberrechtsverletzungen. Von beiden Redaktionen seien Videos auf „gloria.tv“ gelangt, schreibt die Zeitung.

„Keile zwischen Katholiken“
„Gloria.tv“ versucht sich unterdessen mit einer Retourkutsche. Dem Aktivisten der „Stoppt Kreuz.net„-Kampagne, David Berger, wirft das Portal in seiner Nachrichtensendung „Gloria Global“ vom Montag vor, „gloria.tv“ in „Verruf“ bringen zu wollen. Der „Homosexuellenaktivist“ habe „hinterrücks“ Mails an Werbepartner verschickt, in denen er „mit Journalisten“ gedroht habe. Sein Ziel sei es, „Keile zwischen die Katholiken zu treiben“.

„Implizite Unterstützung“
Tatsächlich versucht die Initiative „Stoppt Kreuz.net“ den Inserenten deutlich zu machen, in welchem ideologischen Umfeld sie auf „gloria.tv“ Online-Werbung schalten und welches Gedankengut sie damit auch finanziell unterstützen. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ sind die in der „gloria.tv“-Nachrichtensendung verwandten Zitate allerdings aus dem Zusammenhang gerissen. In dem Appell an die Inserenten habe es geheissen, „gloria.tv“ sei „durch seine implizite Unterstützung für kreuz.net (. . .) in Verruf geraten“. Daraus machte „gloria.tv“ den Satz „Er will gloria.tv Zitat ‚in Verrufbringen'“. Gemeint ist der „Homosexuellenaktivist“ Berger.

Zahlenspiele
Wie journalistische Sorgfaltspflicht und Ethik bei „gloria.tv“ verstanden werden, zeigt die selbe Nachrichtensendung in ihrem Bericht über die Demonstrationen gegen die Einführung der Homo-Ehe in Frankreich am Wochenende. Die Veranstalter hatten mit 500.000 Teilnehmern gerechnet, gekommen waren nach Angaben von Nachrichtenagenturen und zahlreichen seriösen Medien jedoch nur einige zehntausend. Die Nachrichten auf „gloria.tv“ melden unter Berufung auf die Veranstalter 800.000 Teilnehmer und nennen dazu keine amtlichen Zahlen etwa von der Polizei. Dazu laufen Bilder, auf denen Massen zu sehen sind, die die Behauptung der 800.000 untermauern sollen.

„Gaystapo“
Die Geisteshaltung von „gloria.tv“ spiegelt sich auch in den zahlreichen Kommentaren, die ungefiltert zugelassen werden. Dort werden Aktivisten wie David Berger und kritische Medien, die sich auf dem Boden des Rechtsstaats und der verfassungsrechtlich verbrieften Menschenwürde gegen Diffammierungen Andersdenkender, -lebender und -glaubender wehren, unter anderem als „Gaystapo“ bezeichnet, die versuche, der katholischen Sache zu schaden. Die „Gestapo“ war die Geheimpolizei des deutschen Nazi-Regimes.

„Helfershelfer des Antichristen“
Neben Nazi-Vergleichen ist auf „gloria.tv“ auch alttestamentarisches Vokabular en vogue, wenn es darum geht, Kritiker zu diffamieren. So schreibt ein Kommentator zur Nachrichtensendung vom Montag, die „Homolobby“ könne zwar durchaus „auch als Gaystapo tituliert“ werden „obwohl ich den Begriff selber nicht verwenden werde, ich würde eher schreiben, Helfershelfer des Antichristen, Satans, Teufels, des allerniedrigsten usw., weil dies passt weitaus besser“. (wfr)

 [bild: screenshot gloria.tv]

 


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17.01.2013, 09:10 uhr / 0 Kommentare / diskutiere darüber im forum

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