von wolfgang frey
“was ein drama!” erik sinkt stöhnend auf den barhocker neben markus. “ich bin völlig fertig!” markus grinst. “so siehst du auch aus.” “also bitte!”, keift erik zurück und fängt an, in seinem rucksack rumzukramen. markus seufzt. “jetzt lass’ den schminkspiegel stecken, du siehst gut aus, wie immer!”
“als ob du das beurteilen könntest! erst schamlose lügen über mein aussehen verbreiten und dann soll ich noch nicht mal gucken dürfen?” erik zieht ein gesicht, hält den klappspiegel auf augenhöhe, dreht den kopf hin und her, zupft ein loses härchen aus der rechten braue, sucht angestrengt aber erfolglos nach anzeichen für fältchen um die augen.
“ich weiss gar nicht, was du hast”, sagt erik erleichtert und packt den spiegel ein. “geht doch alles. oder ist hier irgend jemand hübscher als ich?” “nein, natürlich nicht”, sagt markus und tätschelt sanft eriks nacken.
“um gottes willen, meine haare!”, kreischt der und greift schon wieder zum rucksack. “hallo! nichts passiert!”, stöhnt markus. “sag’ mal, wie willst du eigentlich jemals jemanden abkriegen, wenn er dich nicht anfassen darf?”
erik versucht vergeblich, den taschenspiegel so zu halten, dass er im grossen spiegel über der bar den sitz seiner nackenhaare überprüfen kann. “und wie soll ich jemals einen abkriegen, wenn ich nicht gut aussehe?”, stöhnt er und steckt den spiegel weg.
“würdest du denn mit jemanden zusammen sein wollen, der mitten in der kneipe innerhalb von drei minuten zweimal seinen schminkspiegel rausholt, um zu gucken, ob noch alles sitzt?”
zornesfalten wachsen quer über eriks stirn. “ach, jetzt bin ich also auch noch schuld an meiner einsamkeit, ja? was soll ich denn noch alles machen?!” eric knallt sein glas auf die theke und packt den rucksack. “du bist mir ein toller freund!” erik rauscht ab.
markus schaut hinterher, nippt an seinem pils und fragt sich, ob er ihm morgen von dem süssen blonden jungen da hinten erzählen soll, der bei eriks spiegelaktion ständig rüber geguckt und dabei ganz glänzende augen bekommen hat: “was ein drama.”
