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frankfurter rundschau vom 23. februar 2006
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Penetrante Pointen Homor ist, wenn man trotzdem lacht: die 3. Regenbogensitzung von Stefan Behr "Lieber verliere ich einen guten Freund als eine gute Pointe", sagte weiland der geniale, schwule Oscar Wilde. So gesehen dürften die Macher der 3. Frankfurter Regenbogensitzung am Dienstagabend nicht allzu viele Freunde verloren haben. Es geht immerhin verheißungsvoll los. Der Saal im Haus Ronneburg in Preungesheim ist rappelvoll, Bäppi La Belle macht seine Sache als Sitzungspräsident anständig, das Bonameser Drum Corps schmettert ordentlich drauflos, auf der Bühne versammelt sich eine bunte Musiker-Combo, die stark an das "Sgt. Pepper's"-Cover erinnert. Das kann ja was werden! Wird's aber nicht. "Wo sind die Lesben?", fragt La Belle in die keinesfalls allzu schrill kostümierte Zuhörerschaft, und neun Hände strecken sich beherzt in die Höhe. "Manche sogar als Frauen verkleidet", kalauert der Präsident. Schwule sind schon mehr da, aber die Heteros sind deutlich in der Überzahl. Dann donnert "Käthe" Fleckenstein in die Bütt und hält eine Rede, bei der das Versmaß doch recht holpert und der Tusch regelmäßig mitten in die Pointe fährt. Man kann dem Tusch aber nicht böse sein, weil die Pointe wirklich schwer zu erkennen ist. "Um mit 60 beim Stöckelschuh-Renne zu glänze / bringst du die Krankekass an ihre Grenze." Der Reim bleibt noch am ehesten in Erinnerung und beweist: Schwulenwitze im Karneval waren noch nie komisch, aber schwule Witze sind auch nicht zwingend lustig. Man soll ja nicht meckern, Käthe liefert solides Mittelmaß, aber irgendwie hat man vom Homo-Karneval mehr erwartet. Anschließend steigt die Stimmung im Saal: Edina Pop, einst Frontfrau der Kult-Combo Dschingis Khan, präsentiert ein knalliges Medley herrlich bescheuerter Titel, die einfach nicht totzukriegen sind. Es folgt das unvermeidliche Männerballett. Aber dann! Das Offenbacher Duo Die Homoristen hat gute Chancen, als neuer Tiefpunkt in die Annalen der Frankfurter Homo-Fassenacht einzugehen. "Darmstadt-Wixhausen und Weiterstadt werden zusammengelegt und heißen dann Wixweiter." Darüber hat man schon als Pennäler nicht gelacht. Der Humor bewegt sich zwischen Wortschöpfungen wie "Rosamontag", "Fistenacht" und "Arsch am Mittwoch". Die anschließende Abba-Penetration "Thank you for the blow job" grenzt an ästhetische Vergewaltigung. "Da zucke die Tucke!", ruft La Belle den Schlachtruf der Regenbogensitzung, der hier das "Helau!" ersetzt. Mag sein. Das Zwerchfell zuckt nicht mit - vielleicht, weil es nicht unmittelbar ans Gemächt grenzt. U-Bahn-Kontrollöre mit Linderung Anschließend wieder Männerballett: "Sissi - Wechseljahre einer Kaiserin." Verzweiflung naht. Und ein Entschluss: Nach dem - wie immer - weltklassemäßigen Auftritt der U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern ergreift der Reporter die Flucht, denn die Kontrollöre sind ein dermaßener musikalischer und humoristischer Genuss, dass man ihn sich nicht von Homoristen-Epigonen verhageln lassen will. Wer's nicht glaubt: Heute Abend um 20.11 Uhr lassen es die homosexuellen Jecken noch einmal im Haus Ronneburg krachen. Am Samstag zeigt das HR-Fernsehen um 22 Uhr eine Aufzeichnung. Aber Obacht: Ein Wim-Wenders-Film ist komischer!
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