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zdf portraitiert
schwule katholische geistliche
sendung am dienstag, 15. august 2006
mainz. wenn in der katholischen kirche alles nach römischem willen laufen würde, dann gäbe es sie gar nicht: die drei katholischen geistlichen, die sich am dienstag, 15. august um 22.15 uhr in der zdf-doku-reihe "37°" der kamera stellen. denn pater theo koster op (55), diakon christian l. (41) und pfarrer sebastian (52) sind schwul. die sendung trägt den titel: “schwul vor gottes angesicht: priester im konflikt”
homosexuelle aber dürfen keine priester werden, wie der vatikan nicht müde wird zu predigen. seriösen schätzungen zufolge sind allerdings zwischen 20 und 40 prozent aller katholischen priester schwul. outen. sie sich, müssen sie um ihre berufliche existenz fürchten.
und die ist für sie, wie für ihre heterosexuellen kollegen auch, weit mehr als ein job: sie ist berufung. die folge ist, dass in der "grössten transnationalen schwulenorganisation" (so ironisch ein insider) sich meisten verstecken und ein doppelleben führen. so, wie der deutsche pfarrer sebastian (name geändert), der nur anonym vor die zdf-kamera trat. er war gerade im priesterseminar, als "salopp gesagt, das erste schwulenverbot aus rom kam", die erklärung "persona humana".
aber priestersein, das war sein traumberuf. "den jetzt aufgeben? auf keinen fall. ich bin eben schwul und priester. muss ja niemand wissen. so dachte ich früher. heute weiss ich, so einfach ist das leider nicht."
und das praktiziert der 52-jährige priester nun die hälfte seines lebens schon. opfert sich auf im priesterlichen dienst und fühlt sich zugleich diskriminiert von der eigenen kirche und besonders vom jetzigen papst.
"die spezifische neigung der homosexuellen person ist zwar in sich nicht sündhaft, begründet aber eine mehr oder weniger starke tendenz, die auf ein sittlich betrachtet schlechtes verhalten ausgerichtet ist." so formulierte kardinal ratzinger als oberster glaubenshüter bereits 1986 und approbierte die unterstellung - wider alle wissenschaftliche erkenntnis - am 4. november 2005 erneut, nunmehr als papst. homosexuelle priester sind für ihn ein widerspruch in sich selbst.
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"der papst irrt, er ist falsch informiert, er soll mit uns schwulen priestern reden", entgegnet pater theo koster, "er wird sehen, wir bereichern die katholische kirche." ihn schützt sein dominikaner-orden, deshalb tritt er offen vor die kamera. pater
koster ist seit 30 jahren als priester im dienst der katholischen kirche. "ich habe mich meinem glauben, meinem orden verschrieben, ich bewundere all meine schwulen kollegen, weltweit. wir müssen viel erdulden."
"manchmal macht mich rom wütend, ich bin enttäuscht, fühle mich vergessen, meine arbeit nicht geschätzt", meint auch der 41-jährige diakon christian l. aus st. gallen. er ist als diakon seelsorger in einer st. gallener gemeinde. bereits vor 10 jahren hat er sich vor versammelter gemeinde als schwuler geoutet.
es war anfangs nicht leicht, aber heute ist die pfarrgemeinde stolz auf "ihren" christian, sie steht hinter ihm. und auch die schweizer bischöfe lassen ihn gewähren.
undenkbar fast in deutschland. "die angst geht um, ich weiss das von meinen deutschen kollegen im priesteramt", meint pater koster, auch unsere bischöfe äussern ihre bedenken, aber bisher konnte ich sie immer beruhigen, sie sachgerecht informieren. es ist wichtig miteinander zu reden und dann erfahren die zweifelnden gläubigen und der vatikan, dass wir keine bedrohung sondern viel eher eine bereicherung sind.
liebe unter männern: nach der katholischen morallehre eine schwere Sünde.
foto: zdf/peter pulkowski
pater theo koster (56, niederlande) ist durch seinen dominikaner-ordern einigermassen geschützt: die dominikaner halten sexuelle orientierung nicht für ein auswahlkriterium für das priesteramt. auseinandersetzungen mit der hierarchie gibt es aber trotzdem genug. "was der papst sagt, ist nicht die wirklichkeit", meint der pater.
foto: zdf/peter pulkowski
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