berlin. – nach dem blutigen mordanschlag auf einen schwullesbischen treffpunkt in tel aviv rufen schwullesbische Organisationen für das kommende wochenende zu protestkundgebungen in mehreren ländern auf.
„Wir sind erschüttert. Wir zeigen europaweite Solidarität. Darum organisieren wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Frankreich, Polen und Spanien zeitgleich Mahnwachen“, sagte Bastian Finke, Projektleiter des Schwulen Überfalltelefons MANEO in berlin. weiterlesen
Der Trance-Techno aus den Lautsprechern über der Bar war plötzlich verstummt, die Video-Clips auf den zwei Bildschirmen mitten in der Bewegung eingefroren, ehe – völlig ungewohnt an diesem Ort, einem Club in der Allenby Street – die breaking news des israelischen Fernsehens tatsächlich über alle geradezu hereinbrachen. Bilder, wie man sie seit den Terror-Anschlägen im Zuge der sogenannten Zweiten Intifada nicht mehr gesehen hatte: Die Nacht von Tel Aviv vom Blaulicht der Polizei- und Rettungswagen gefleckt, Uniformierte mit MP’s und schusssicheren Westen, die ersten grünweissen Absperrbänder, dann die Bahren mit blutüberströmten jungen Menschen.
von marko martin, tel aviv
Von einem Mord-Anschlag mit zwei Toten und über zehn Verletzten ist die Rede, der Tatort eine schwullesbische Bar in der Nähe des Rothschild-Boulevards. Ein jeder schlussfolgert so das Naheliegende: Hier kann es sich nur um “Evita” handeln, die beliebte Terrassen-Lounge-Bar in der Yafne Street, die nicht nur Community-Gäste, sondern Feierfreudige jeglicher Präferenz anlockt. Hätte man in den nächsten Minuten nicht genau dort den Abend beschliessen wollen und war mit Freunden verabredet?
Was jetzt allerdings folgt, ist das Gegenteil jeglicher Hysterie. Ruhig, ganz ruhig, schauen die Gäste die Schreckensbilder über ihren Köpfen, greifen dann sofort nach ihren Handys, telefonieren, geben mit bemüht gelassener Stimme die Information durch, dass man selbst an sicherem Ort sei, fragen nach dem Gegenüber – und erstarren dann doch, wenn lediglich die automatische Stimme der Mailbox zu hören ist, welche die schlimmsten Erinnerungen an die Jahre ab Herbst 2000 wachruft: Hay-many shehimantem eyno zamim. Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar – und wird es womöglich auch nie mehr sein, sein Leben im Bruchteil von Sekunden ausgelöscht, eine einmalige Biographie zu einem Klumpen von zerfetztem Fleisch geworden. weiterlesen
tel aviv/berlin. – bereits in der nacht des anschlags auf ein schwul-lesbisches zentrum in israel, bei dem ein maskierter täter auf mitglieder einer jugendgruppe schoss, zwei menschen tötete und weitere schwer verletzte, gingen in tel aviv zahlreiche menschen auf die strasse. auch in anderen ländern sind demonstrationen gegen die gewalttat geplant.
laut dem online-magazin queer.de verbreitete sich Über Twitter und Facebook am Sonntag ein Aufruf für eine Demo in Berlin, die am Dienstag ab 17 Uhr am Breitscheidplatz stattfinden soll. die genehmigung stehe noch aus.
In London wollten sich Menschen am Sonntag um 17 Uhr Ortszeit zu Gedenken und Protest am Soho Square versammeln, meldet das portal weiter. Auch in Stockholm solle es eine spontane Andacht geben, in Amsterdam sei der CSD für eine Schweigeminute unterbrochen worden. weiterlesen
tel aviv. - ein maskierter mann hat in der nacht zum sonntag vor einem schwul-lesbischen zentrum von tel aviv mit einer schnellfeuerwaffe um sich geschossen und zwei menschen getötet. nach agenturberichten wurden mindestens zehn weitere verletzt. der ganz in schwarz gekleidete angreifer konnte unerkannt fliehen. in israel äusserten sich selbst streng religiöse politiker entsetzt.
wie die israelischen rettungsdienste mitteilten, waren die beiden opfer sofort tot. Nach Medienberichten handelt es sich um eine 17-Jährige und einen 24 jahre alten Leiter einer Jugendgruppe, die sich im Café im erdgeschoss des zentrums der schwullesbischen organisation agudah traf. Der angreifer feuerte in eine gruppe von menschen, die vor dem Treffpunkt standen. Neben dem jerusalem open house ist die agudah die einzige organisation, die sich in israel für die rechte von schwulen und lesben einsetzt.
medienberichten zufolge schwebte einer der Verletzten in der Nacht weiter in Lebensgefahr. nach Augenzeugenberichten soll der angreifer versucht haben, auch noch eine nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Wachposten hätten ihm allerdings den Zutritt verwehrt. weiterlesen
vilnius. – staatliche verordnete homophobie in litauen: das kürzlich mit großer mehrheit vom parlament verabschiedete neue Mediengesetz verbietet es zeitungen, radiostationen, fernsehredaktionen und anderen publikationen ab märz 2010, “positiv gefärbt” über homosexualität zu berichten.
Ebenfalls verboten sind dann entsprechende berichte über Kriminalität, Gewalt und Glücksspiel oder Hypnose. offizieller Grund: der schutz von kindern und jugendlichen. Zuwiderhandlungen werden mit 1500 Euro strafe oder Sozialarbeit bestraft.
Das macht die arbeit für die litauische schwulenliga künftig noch schwieriger. homosexuelle haben es bereits heute alles andere als leicht in dem baltischen land: “Die Situation für Homosexuelle in Litauen ist sehr schwierig”, sagte schwulenliga-Vorsitzender Vladimir Simonkoer dem deutschlandfunk. “Viele Menschen stehen uns feindselig gegenüber und deswegen leben fast alle Schwulen und Lesben im Verborgenen: Sie verraten weder ihrer Familie noch ihren Kollegen, dass sie homosexuell sind. Das belastet sehr.” weiterlesen
köln/istanbul. - Der ehrenmord an dem schwulen Istanbuler Studenten Ahmet Yildiz kommt vor Gericht. Das berichtet die kölner Hirschfeld-Eddy-Stiftung unter berufung auf ahmets lebensgefährten.
Die Verhandlung ist für den 8. September 2009 vor der ersten Kammer des Strafgerichts im Istanbuler Stadtteil Üsküdar terminiert. Angeklagt wird der Vater des Opfers, der sich möglicherweise im Irak versteckt hält. Damit kommt in der Türkei zum ersten Mal ein Ehrenmord an einem schwulen Mann vor Gericht.
Im August 2008 hatte sich Ibo Can, der Lebensgefährte von Ahmet Yildiz, an die Hirschfeld-Eddy-Stiftung gewandt und über Umstände und Hintergründe des Mordes berichtet. Nach dem Verbrechen fürchtete Ibo Can, der deutscher Staatsbürger ist, selbst um Leib und Leben und wandte sich an das deutsche Konsulat. Unter Polizeischutz begab er sich zum Flughafen und verließ Istanbul in Richtung Deutschland.
Washington. - In der us-hauptstadt washington sind drei prozent der Einwohner hiv-positiv. Bürgermeister Adrian Fenty und das Gesundheitsamt der US-Hauptstadt erklärten bei der Veröffentlichung der Zahlen jedoch nach agenturangaben zugleich, dass sie den Daten wenig glauben schenken: “Die tatsächliche Zahl”, sagte Fenty, “liegt noch deutlich höher”.
die hohe infektionsrate gibt experten rätsel auf. die “washington post” nannte die metropole bereits die “Aids-Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika”. Kondome und Spritzen stellt die Stadt kostenlos zur Verfügung, zudem gibt es in washington massive Aufklärungskampagnen in der Öffentlichkeit und an Schulen. Dennoch steigt die zahl der hiv-infektionen In keiner anderen US-Grossstadt so schnell. weiterlesen
madrid. – der papst lehnt sie ab, das katholische spanien schickt sie: Wie “queer.de” berichtet, hat die spanische regierung angekündigt, eine Million Kondome nach Afrika zu schicken.
“Kondome sind ein notwendiges Mittel in der HIV-Prävention und ein guter Schutz gegen das Virus, wie Studien bewiesen haben”, zitiert “queer.de” das Gesundheitsministerium in madrid. papst benedikt hatte sich in dieser woche gegen kondome zur verhütung von hiv-infestionen in afrika ausgeprochen und sich damit teils harsche kritik eingefangen.
Die Hilfslieferung wurde laut dem online-portal nur einen Tag nach kondomkritischen Äußerungen des Papstes bekannt gegeben. Das spanische Gesundheitsministerium erklärte, vorrangig sei es, an die Gesundheit der afrikanischen Bevölkerung zu denken. Es nahm aber nicht direkt zur Position des Papstes Stellung. weiterlesen
YAOUNDÉ. - für Papst Benedikt XVI. sind kondome immer noch das grössere übel: unmittelbar vor seiner ankunft in kamerun erklärte er, das Aids-Problem in Afrika lasse sich mit Kondomen nicht lösen. Deren Benutzung verschlimmere das Problem nur. in kamerun wurde der papst am dienstag zu Auftakt seiner ersten Afrika-Reise in der hauptstadt YAOUNDÉ von mehr als 100 000 jubelnden Menschen empfangen. Er bringe eine «Botschaft der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens», sagte der Papst.
«Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem», erklärte der Papst kurz vor seiner ankunft noch im Flugzeug, wie die Nachrichtenagentur «ANSA» berichtet. Vielmehr sei eine «spirituelle und menschliche Erneuerung» der einzige Weg aus der auf dem Schwarzen Kontinent grassierenden Seuche. In Afrika leben 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt, 17 Millionen Menschen sind auf dem Kontinent schon an Aids gestorben. weiterlesen
toronto. – dem schwulen iraner Mehdi N. droht die abschiebung aus deutschland in sein heimatland. dort droht ihm die todesstrafe, weil er schwul ist. das berichtet die kanadische menschenrechtsorganisation IRanian Queer Railroad (irqr) auf ihrer webseite und ruft zur unterstützung des 29-jährigen auf.
nach angaben der organisation, die sich von toronto aus um schwule und lesben im iran kümmert, wo sie von staats wegen verfolgt werden, floh Mehdi N. anfang 2007 nach istanbul, nachdem er von “freunden” vergewaltigt, zum sex gezwungen, dabei gefilmt und bei seiner familie geoutet wurde. während sechs monaten in der tükei habe er es aus unwissenheit versäumt, sich an das un-flüchtlingshilfswerk zu wenden, um einen status als flüchtling zu beantragen. mit hilfe eine freundes sei er schliesslich nach deutschland geflohen, um dort asyl zu beantragen. weiterlesen
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