Tel Aviv. – Gut vier Monate nach dem blutigen Anschlag auf das schwul-lesbische Zentrum in Tel Aviv mit zwei Toten und 13 Verletzten hat die Polizei den Täter immer noch nicht gefasst. Statt dessen hat ein bei dem Anschlag Anfang August verletzter Jugendlicher Klage gegen das Gay-Zentrum eingereicht und fordert vier Millionen US-Dollar. Ein anderer, der bei dem blutigen Attentat geoutet wurde, traut sich bis heute nicht nach Hause.
Der 15 Jahre alte Yonatan Buks war bei dem Anschlag in der israelischen Grosstadt schwer verletzt worden. Als der maskierte Mann vor dem Gay-Zentrum der schwul-lesbischen Organisation Agudah in Tel Aviv in der Nacht zum 2. August mit einer Schnellfeuerwaffe um sich schoss, wurde er getroffen und erlitt innere Verletzungen. Wie das Nachrichtenportal “Ynetnews” am Samstag berichtet, ist er nach wie vor nicht gesund, sitzt im Rollstuhl und hat Schwierigkeiten zu sprechen. Die Klage sei in Tel Aviv eingereicht worden, schreibt das Gay-Magazin “querty.com“. mehr…
berlin. – nach dem blutigen mordanschlag auf einen schwullesbischen treffpunkt in tel aviv rufen schwullesbische Organisationen für das kommende wochenende zu protestkundgebungen in mehreren ländern auf.
„Wir sind erschüttert. Wir zeigen europaweite Solidarität. Darum organisieren wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Frankreich, Polen und Spanien zeitgleich Mahnwachen“, sagte Bastian Finke, Projektleiter des Schwulen Überfalltelefons MANEO in berlin. mehr…
Der Trance-Techno aus den Lautsprechern über der Bar war plötzlich verstummt, die Video-Clips auf den zwei Bildschirmen mitten in der Bewegung eingefroren, ehe – völlig ungewohnt an diesem Ort, einem Club in der Allenby Street – die breaking news des israelischen Fernsehens tatsächlich über alle geradezu hereinbrachen. Bilder, wie man sie seit den Terror-Anschlägen im Zuge der sogenannten Zweiten Intifada nicht mehr gesehen hatte: Die Nacht von Tel Aviv vom Blaulicht der Polizei- und Rettungswagen gefleckt, Uniformierte mit MP’s und schusssicheren Westen, die ersten grünweissen Absperrbänder, dann die Bahren mit blutüberströmten jungen Menschen.
von marko martin, tel aviv
Von einem Mord-Anschlag mit zwei Toten und über zehn Verletzten ist die Rede, der Tatort eine schwullesbische Bar in der Nähe des Rothschild-Boulevards. Ein jeder schlussfolgert so das Naheliegende: Hier kann es sich nur um “Evita” handeln, die beliebte Terrassen-Lounge-Bar in der Yafne Street, die nicht nur Community-Gäste, sondern Feierfreudige jeglicher Präferenz anlockt. Hätte man in den nächsten Minuten nicht genau dort den Abend beschliessen wollen und war mit Freunden verabredet?
Was jetzt allerdings folgt, ist das Gegenteil jeglicher Hysterie. Ruhig, ganz ruhig, schauen die Gäste die Schreckensbilder über ihren Köpfen, greifen dann sofort nach ihren Handys, telefonieren, geben mit bemüht gelassener Stimme die Information durch, dass man selbst an sicherem Ort sei, fragen nach dem Gegenüber – und erstarren dann doch, wenn lediglich die automatische Stimme der Mailbox zu hören ist, welche die schlimmsten Erinnerungen an die Jahre ab Herbst 2000 wachruft: Hay-many shehimantem eyno zamim. Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar – und wird es womöglich auch nie mehr sein, sein Leben im Bruchteil von Sekunden ausgelöscht, eine einmalige Biographie zu einem Klumpen von zerfetztem Fleisch geworden. mehr…
tel aviv/berlin. – bereits in der nacht des anschlags auf ein schwul-lesbisches zentrum in israel, bei dem ein maskierter täter auf mitglieder einer jugendgruppe schoss, zwei menschen tötete und weitere schwer verletzte, gingen in tel aviv zahlreiche menschen auf die strasse. auch in anderen ländern sind demonstrationen gegen die gewalttat geplant.
laut dem online-magazin queer.de verbreitete sich Über Twitter und Facebook am Sonntag ein Aufruf für eine Demo in Berlin, die am Dienstag ab 17 Uhr am Breitscheidplatz stattfinden soll. die genehmigung stehe noch aus.
In London wollten sich Menschen am Sonntag um 17 Uhr Ortszeit zu Gedenken und Protest am Soho Square versammeln, meldet das portal weiter. Auch in Stockholm solle es eine spontane Andacht geben, in Amsterdam sei der CSD für eine Schweigeminute unterbrochen worden. mehr…
tel aviv. - ein maskierter mann hat in der nacht zum sonntag vor einem schwul-lesbischen zentrum von tel aviv mit einer schnellfeuerwaffe um sich geschossen und zwei menschen getötet. nach agenturberichten wurden mindestens zehn weitere verletzt. der ganz in schwarz gekleidete angreifer konnte unerkannt fliehen. in israel äusserten sich selbst streng religiöse politiker entsetzt.
wie die israelischen rettungsdienste mitteilten, waren die beiden opfer sofort tot. Nach Medienberichten handelt es sich um eine 17-Jährige und einen 24 jahre alten Leiter einer Jugendgruppe, die sich im Café im erdgeschoss des zentrums der schwullesbischen organisation agudah traf. Der angreifer feuerte in eine gruppe von menschen, die vor dem Treffpunkt standen. Neben dem jerusalem open house ist die agudah die einzige organisation, die sich in israel für die rechte von schwulen und lesben einsetzt.
medienberichten zufolge schwebte einer der Verletzten in der Nacht weiter in Lebensgefahr. nach Augenzeugenberichten soll der angreifer versucht haben, auch noch eine nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Wachposten hätten ihm allerdings den Zutritt verwehrt. mehr…
Tel Aviv, im herbst 2003. - In Tel Aviv hat ein junger Palästinenser Angst um sein Leben. Er weiß, dass seine Flucht vor dem Schwulenhass seiner Heimat in der liberalsten Stadt des Nahen Ostens zu Ende ist. Er hat sein Ziel erreicht und doch verpasst. Er sitzt fest in einer Freiheit, die für ihn nicht gilt. Palästina hat ihn fast umgebracht, weil er schwul ist. Israel will ihn zurückschieben, weil er palästinensisch ist. Palästina ist Achmed und Achmed ist tot.
von wolfgang frey
Er sieht seinen Nachbarn Achmed wieder vor sich, wie er mit brennenden Kleidern vom Mob durch das Flüchtlingslager im Gaza-Streifen gejagt wird. Die Schule ist gerade aus und mit den Büchern unter dem Arm steht er da und fragt sich, wie Achmeds Vater seinen Sohn mit Benzin übergießen und anzünden kann, weil er schwul ist. Dreizehn Jahre ist das her, er ist noch klein, aber er weiß, es hat irgendwas mit Familienehre zu tun. Schwule sind in Palästina nicht vorgesehen. mehr…
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tel aviv, im herbst 2003. – In einem Park von Tel Aviv haben zwei Palästinenser am Morgen ihr Fluchtgepäck versteckt. Achmed und Yussef* haben nur eine kleine Tasche mitgenommen. Die zwei Freunde haben in ihrem Dorf im Osten Jerusalems fast alles zurückgelassen, bis auf Waschzeug, ein paar T-Shirts, die Angst und die Erinnerung an den Mordversuch.
von wolfgang frey
Die Gewissheit, dass ihre Liebe lebensgefährlich ist, zieht sich zweifingerbreit von Achmeds Brust im Zickzack bis hinunter zu seinem Gürtel. Achmed zieht sein T-Shirt schnell wieder herunter, um die rote Narbe zu verdecken. “Das war mein Bruder.” mehr…
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